Staffelstart von Love Island: Ottergirls in der Meeresrevue

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Staffelstart von Love Island: Ottergirls in der Meeresrevue



Wenn man nicht richtig hinhört, geht’s eigentlich. Dann arbeitet Greta, 21 Jahre alt und Kandidatin der neuen Staffel von »Love Island«, nämlich im Klub als Ottergirl. Ein Beruf, von dem man noch nie gehört, aber sofort eine plastische Vorstellung hat. Vermutlich trägt ein Ottergirl einen engen, schwarzen Tauchanzug mit Nasslackfinish, dazu angeklebte Barthaare, und glitscht solchermaßen angetan in gehobenen Nachtklubs durch spezielle Bassins, etwa so, wie es Dita Von Teese räkelnderweise in einem überdimensionierten Martiniglas praktiziert.

Ein ambitioniertes Ottergirl hat zusätzlich zum goldigen Glitschen auch noch das gesamte, ja überraschend komplexe Otter-Lautäußerungsprogramm drauf, additionally Zischen, Bellen und Schnauben, und es klingt in dieser Fantasie jetzt nicht nach dem schlechtesten Job. Bis eben hatte man zwar noch keine Vorstellung davon, dass in Klubs jetzt Wassermardershows en vogue sind, aber eigentlich kann man sich inzwischen ja eh nur noch verschwommen daran erinnern, was in Klubs überhaupt so passiert.

Auch Kandidat Breno hat, erlauscht man mit halbem Ohr, einen Beruf, den man bislang noch nicht kannte. Er sei nämlich nicht etwa Fuckboy, wie man vielleicht denken könnte, erklärt er verbindlich, sondern Meerrevue-Artist. Klingt ebenfalls interessant, gern wüsste man mehr: Schnallt sich Breno bei der Arbeit noch ein paar zusätzliche Glibberarme an und tritt als jonglierender Oktopus auf? Schießt er in einem Haikostüm während der Vorstellung manchmal blitzschnell ins Publikum und zwickt Zuschauer in die Wade? Macht er als Clownfisch ein Stand-up mit abgeschmackten Kalauern? Vieles scheint möglich.

Jedenfalls so lange, bis man dann, mit gewecktem Interesse, mal richtig zuhört. Und die Wirklichkeit einem wie ein kalter Fisch ins Gesicht klatscht, als sei man ein unaufmerksamer Seehund bei der Showfütterung. Greta ist nicht Ottergirl, sondern Bottlegirl, additionally eine Artwork fancy Kellnerin. Breno tritt nicht in einer Meerrevue, sondern in einer Male-Revue auf, ist additionally ein Stripper – oder, wie er mit so ausgeprägtem Umschreibungstrotz betont, dass der Verdacht naheliegt, er würde statt »Brille« auch konsequent »Nasenfahrrad« und statt »Feuerwehrmann« »Floriansjünger« sagen: »Ein Tänzer mit ein bisschen mehr Intercourse-Attraction«.

In bestürzendem Ausmaß alles beim AltenAnsonsten passiert noch nicht so viel auf »Love Island«, es ist in bestürzendem Ausmaß alles beim Alten. Die Kandidatinnen wünschen sich vor allem einen Mann, der groß ist, die Kandidaten stehen bei Frauen entweder auf blonde oder auf dunkle Haare, es ist undenkbar, dass einem das vielleicht erst mal egal ist. Die Gespräche sind traditionell so unterkomplex, dass sie intestine als Schulungsmaterial für Menschen dienen könnten, die für längere Zeit nicht viele soziale Kontakte hatten und das jetzt erst wieder üben müssen. Zum Beispiel mit diesem gelungenen Konversationsbeispiel:

Adriano: Du reitest ja, hast du auch ein eigenes Pferd?Emilia: Ja.Adriano: Identify?Emila: Fortuna.Adriano: Fortuna, nicht schlecht.Wobei Adriano hier nicht gleich schlechtgeredet werden soll, er scheint charakterlich durchaus komplex und ist nicht so leicht zu ergründen. Zum Beispiel LIEBT er französische Bulldoggen, hat aber einen Yorkshire Terrier, er ist ein faszinierender Mann. Dann tritt natürlich noch die obligatorische sogenannte Granate auf, um einer Kandidatin den ihr gerade erst zugesellten Mann wegzunehmen, schöner ginge es ja wirklich nicht am Weltfrauentag. Livia studiert Politikwissenschaft und Philosophie, battle mal Miss Südpfalz und trägt einen goldenen Tauchanzug mit Noppen. Und sieht exakt so aus wie ein Ottergirl, das gerade ein Engagement bei einer exklusiven Meeresrevue an Land gezogen hat.



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